"Die alltägliche Folter in Deutschland - Intersexualitätsbehandlung und Geschlechterverhältnisse"
18./19. JUNI 2010
Eine Veranstaltung von "love sex.hate sexism" / ATARI Ladenprojekt e.V. und "do it herself" / GIRO e.V. mit Referent_innen der "Naturfreundejugend Berlin".

°Ein Wochenend-Seminar in Leipzig, open for all genders
°18. Juni 2010 ab 17h &
°19. Juni 2010 ab 10h
°Drug Store
°Eutritzscher Str. 9....04105 Leipzig
ANMELDEN!!
°19. Juni 2010 ab 10h
°Drug Store
°Eutritzscher Str. 9....04105 Leipzig
Im Queer-Hype und der kritischen Auseinandersetzung mit herrschenden
Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität wird allzu oft in der
Analyse die Intersexualität "vergessen" - und damit auch die Gewalt, die
bei der "Behandlung" zur Anwendung kommt.
Auf dem Seminar wird
Intersexualität und der gesellschaftliche Umgang mit ihr im Mittelpunkt
stehen.
Dabei werden wir die Begrifflichkeit(en) genauer bestimmen, der
Frage nachgehen, was denn jetzt wie genau zu thematisieren und zu
kritisieren ist und uns sowohl mit den Feldern der Medizin und der
Rechtswissenschaft als auch mit der Geschichte des Umgangs mit
Intersexuellen beschäftigen.
WICHTIG!
Im Vorfeld sei der Text von Ulrike Klöppel "Prinzipismus Zweigeschlechtlichkeit.
Zum Menschen- und Gesellschaftsbild in der medizinisch-psychologischen Umgangsweise
mit Intersexualität"
aus der Zeitschrift quer - denken, lesen, schreiben, Ausgabe 12/06,
Seiten 12 - 22 empfohlen.
Ihr findet ihn direkt hier:
TEXT_"Prinzipismus Zweigeschlechtlichkeit.
Zum Menschen- und Gesellschaftsbild in der medizinisch-psychologischen Umgangsweise
mit Intersexualität"

Kurze inhaltliche Einführung ins Thema:
Eine Thematisierung von Intersexualität in westlichen Gesellschaften findet sich nur in bestimmten
Spezialdiskursen wie beispielsweise Teilbereichen der Medizin.
Vom biologischen Fortpflanzungsgedanken aus gedacht, gibt es nach vorherrschender biomedizinischer Lesart beim Menschen genau zwei Geschlechter,
die sich der heterosexuellen Norm entsprechend fortpflanzen.
Medizinische (und in aller Regel gesellschaftlich geteilte) Regeln zum Dogma der Zweigeschlechtlichkeit lauten:
*Geschlecht ist angeboren und unveränderlich
*Es gibt ausschließlich zwei Geschlechter
*Die Dichotomie von männlich und weiblich ist natürlich
*Jeder Mensch muss einem der zwei Geschlechter angehören
*Genitalien bezeichnen das jeweilige Geschlecht zweifelsfrei
*Ausnahmen sind pathologisch
"Intersexualität" tritt im Rahmen dieses Diskurses als Effekt medizinischer Wissensorganisation und zu beseitigende "Störung" auf.
Der_die Ärzt_in schwingt sich zum_r Überwacher_in der herrschenden Geschlechterordnung auf, die medizinische Profession wird zur
Vollstreckerin von Zwangsheterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit.
Zentrale Motive in der "Behandlung von Intersexualität"-stoisch fixiert auf Penetrationsfähigkeit- sind hierbei Homosexualitätsabwehr
und Identitätsverlustangst einer heteronormativen Gesellschaft.
Die überwiegend vorgenommene Feminisierung von als intersexuell diagnostizierten Körpern ("It´s easier to make a hole than to build a pole")
unmittelbar nach der Geburt folgt hierbei zusätzlich einer spezifisch sexistischen Logik: Weiblichkeit ist traditionell bevorzugtes Terrain von
Prägbarkeit und demonstriert den männlichen Zugriff auf weibliche/weiblich gemachte Körper. Diese Form der Genitalverstümmelung in Deutschland ist
außerhalb des medizinischen Wissensdiskurses kein Thema. Wird Genitalverstümmelung in Deutschland kritisiert, sind damit zumeist entweder die Beschneidung
von Mädchen in bestimmten Regionen Afrikas gemeint oder aber die Beschneidung von Mädchen in afrikanischen und/oder muslimischen Familien innerhalb Deutschlands.
Dies trifft sowohl auf klassisch-feministisch Organisationen wie "Terre des Femmes" als auch auf die Bundesregierung zu, aber auch auf große Teile der "radikalen"
Linken wie beispielsweise im Umfeld der Jungle World. Dieser Quasi-Konsens in Deutschland, Genitalverstümmelung in einem imaginären "Außen" zu verorten und zu ächten,
andererseits jedoch die Genitalverstümmelung, Folter und sexualisierte Gewalt gegenüber als intersexuell diagnostizierten Kindern in Deutschland noch nicht einmal
zur Kenntnis zu nehmen, muss als rassistisch bezeichnet werden. Selbst in der feministisch-queeren Debatte und Theoriebildung wird Intersexualität meist nur unzureichend dargestellt.
Das Interesse an Sinnkonstruktionen, Diskursen und symbolischen Ordnungen macht den direkten physischen Eingriff in die Körper von als intersexuell diagnostizierten
Neugeborenen zwecks "Konstruktion" eines eindeutigen Geschlechts und die damit einhergehenden Leiden und Traumatisierungen schwer(er) benennbar.
Die feministisch-queere Kritik, die Intersexualität thematisiert, weist trotz gemeinsam geteilter Kritik am Zweigeschlechtersystem divergierende Argumentationslinien auf.
So steht beispielsweise - schematisch vereinfacht - ein dekonstruktivistischer (erkenntniskritischer, metatheoretischer) Ansatz ("Wie entsteht die Idee von Geschlechtern"
"welche Bedeutung wird dem beigemessen?") einem (positivistisch) naturwissenschaftlich-kritischem Ansatz ("Es gibt mehr als zwei Geschlechter") gegenüber.
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"Do it herself" schafft Angebote zum Lernen und Wissen weitergeben, zum Selbstbewußtsein stärken und mit anderen in Austausch treten.
Unsere Wirkungsbereiche verorten sich im Kulturveranstaltungsbetrieb, dort wo von einer Gleichberechtigung der Geschlechter bisher
(wenn überhaupt) nur theoretisch gesprochen werden kann.
Diese Angebote sollen umrahmt sein von einem aufmerksamen, respektvollen und geduldigen Verhalten aller Beteiligten,
unabhängig vom Geschlecht. Dadurch können Unsicherheiten, Dominanzen und Hierarchien abgebaut werden,
das selbstbewusstsein gestärkt und die Teilnehmer_innen in ihrer Selbstermächtigung unterstützt werden.
Die beste Lernatmosphäre sollte unserer Erfahrung nach freundlich, angstfrei und stressfrei sein.
Hier sind Kritiken möglich, Fehler sind willkommen und Verbindlichkeiten werden von allen Seiten auch als solche wahrgenommen.
Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist wichtig, auch um Erwartungen und Ansprüche zu klären.










